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Mit dem "Spalter Bockl 4.0" zum Biergipfel

Witzig, ironisch, manchmal auch ein bisschen schräg präsentierten die Sommernachtsspieler vor ausverkauftem Haus ihr Programm
Witzig, ironisch, manchmal auch ein bisschen schräg präsentierten die Sommernachtsspieler vor ausverkauftem Haus ihr Programm "Spalter Bockl 4.0".
Foto: Jürgen Leykamm

Einst sorgten die Bahnlinie von Georgensgmünd nach Spalt für den Anschluss der Hopfen- und Bierstadt an den Weltverkehr. Das ist zwar Geschichte, dafür aber ließ nun die von den Sommernachtsspielern aufgepeppte Version namens „Spalter Bockl 4.0“ die Lachmuskeln im ausverkauften Kulturbahnhof zur Premiere ordentlich dampfen. Im Februar folgen weitere Aufführungen – ein Wiedersehen könnte es auch beim Brauereifest geben.

In der Begrüßung zu dem überaus erfrischenden Kabarettabend spannte Robert Wechsler als Vorsitzender der Laientheatergruppe den Bogen von der industriellen zur digitalen Revolution, die die Maschinen untereinander kommunizieren lässt. Für den Bockl-Bahnhof bedeute dies: Der Computer generiert die Verspätungsdurchsagen selbst und nennt den Grund wie „Ziege auf dem Gleis“ — regionale Unterschiede gelte es natürlich zu beachten, so könne andernorts auch mal ein Wolf oder gar ein Braunbär die Schienen blockieren.

So mancher Zeitgenosse hätte aber diese Entwicklung gar nicht mit vollzogen. Der ehemalige Ministerpräsident Bayerns etwa „spielt immer noch mit seiner Dampfeisenbahn im Keller und wickelt wahrscheinlich noch Grenzverkehre im Schmalspursystem ab“, vermutet Wechsler.

Aber die neue Zeit hat auch ihre Schattenseiten – 4.0 bedeute für viele einfach nur: „vier Jobs – null Lohn“. Was der Karteneinreißer (Uli Wieder) verdient, erfährt der Besucher nicht, dafür aber alles um dessen psychologischen Künste.

Die Art des Einreißens verrät nämlich so einiges über den Besitzer. Sagt es und macht den Test. Tatsächlich: Der Zuschauer mit dem verbrannten Billett war zumindest Raucher und der Herr mit dem Kreuzriss in der Karte „weiß, wo eine Kirche steht.“ Beim Schaltergespräch gibt Computerassistentin Alexa den Buchstaben vor, mit dem alle dessen Worte beginnen sollen. Als ein Radler (Anton Pflock) ganz modern bezahlen will, bekommt er rüde von der Schalterdame (Ute Bachmann-Wieder) zu hören: „Baybal (Paypal) bei Bahn? Batscher!“ Und er gibt klein bei: „Bezahle bar...“.

Das Geld sitzt auch den beiden Supermarkt-Einkäufern (Fritz Leng und Klaus Wagner) locker in den Taschen, außerdem hoffen sie auf einen Baby-Boom in Spalt. In Wernfels habe man schon gut begonnen: „14 Geburten in einem Jahr!“ Doch die Einwohnerzahl muss sich im Gemeindegebiet noch verdoppeln, um eine Drogerie ans Hopfenhallenareal zu bekommen. Wenn die Spalter so richtig loslegen, hilft bloß noch eines: „ein Kreissaal im Kreisverkehr“ — und schon ist die Frage danach beantwortet, was in dessen Mitte stehen soll.

Alternativ darf es auch eine Lkw-Mautstelle für die Sandlasterfahrer sein. So ein weiterer Vorschlag, der großen Beifall auslöst.

Andere Probleme bleiben. Was etwa sollen die Betreiber der „Metzgerei Hopfensack“ (Robert Wechsler, Ute Bachmann-Wieder) in Sachen Datenschutzgrundverordnung anfangen? Datenschutzwurst verkaufen! Welche das ist? Immer die, die weg muss. Noch schwerer die Frage, was das Paar der veganen Kundin (Susanne Salomon) verkaufen soll, die ja bestenfalls Fruchtfleisch isst? Hanftaler und Rezatalgen Currywurst natürlich! Und dazu eine neue Spalter Biersorte genießen: Roter Harald, Golddorf Zottl, Fair-Trade-Bier Gabi oder Landbier Dieter stehen zur Auswahl (wer sich dahinter verbirgt, solle der Leser dieser Zeilen den Berichten über den Spalter Stadtrat entnehmen). Oder noch besser: Auf zum Craft-Biergipfel mit dem Hellen Hans (Anton Pflock), dem Ultimativen Udo (Fritz Leng) und natürlich der Wuchtigen Wilma (Evi Zottmann Reichard), die dem Biergenießer den Spiegel vorhält: „Mit des Bieres Hochgenuss wächst des Leibes Radius.“ Derweil streiten sich zwei Seniorinnen (Natascha Gessner, Susanne Salomon) um Sterbebildchen auf Plastikkarten mit Magnetstreifen, die für Live-Übertragungen vom Friedhof sorgen. Oder auch vom Auftritt von Edmund Stoiber (Fritz Leng) mitten in der Stadt, der statt den Transrapid den Spalter Bockl über die Dächer rasen lassen will.

Für Lacher sorgen während des Abends auch die vielen Werbespots fürs HopfenBierGut, eigentümliche Shampoos (Wein-Gard) und Spezialitäten fürs Seniorenheim: „Hanfbier fürs Seniorenheim vertreibt ein jedes Zipperlein!“

VON JÜRGEN LEYKAMM

 

 

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